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>> Wie rentabel sind Kindertagesstätten? (2.3.08)

UND ICH… WIE HäTTE ICH GEHANDELT? (2.3.08)

Impressionen Expressionen

Frauen im KZ Ravenbruck


Die SS inhaftierte zwischen 1939 und 1945 über 120 000 Frauen in Ravensbrück, darunter 161 namentlich bekannte luxemburgische Frauen. Vom 28. Januar bis zum 3. Februar 2007 besuchte eine Gruppe von 30 Studierenden und fünf Dozentinnen der Universität Luxemburg Orte der Erinnerung in Ravensbruck und Berlin. Ihnen und allen anderen Opfern ist diese Ausstellung gewidmet.

Tourneedaten:

23.02.08 - 04.03.08 Foyer du Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg
08.03.08 - 30.03.08 Pavillon du Centenaire Arcelor - Mittal, Esch/Alzette
04.04.08 - 23.04.08 Université du Luxembourg, Campus Walferdange
25.04.08 - 29.04.08 OGB-L, Hall Polyvalant La Chiers, Differdange
20.09.08 - 12.10.08 Mouvement pour l‘Egalité des Chances, Echternach
01.11.08 - 09.11.08 Centre Culturel de Rencontre Abbaye de Neumünster, Agora

Hier ein Artikel der InitiatorInnen des Projektes, der in der letzten Ausgabe des Cis-infos erschien.

Und ICH … Wie hätte ich gehandelt???

Eindrücke einer Studienreise zur Mahn – und Gedenkstätte Ravensbrück und warum eine Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg auch heute noch Sinn macht.

Eigentlich kennen wir doch alle mehr oder weniger die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. Wir wissen, dass die Juden verfolgt, eingesperrt und hingerichtet wurden. Wir wissen, dass hinter diesen Taten die Menschen Hitler, Himmler und andere stecken. Wir kennen auch den Davidstern, der den Juden angeheftet wurde, um sie für jedermann erkennbar zu machen. Auch die Zahl der Opfer ist den Meisten kein Geheimnis.

Aber genügen diese Kenntnisse, um zu verstehen und nachvollziehen zu können, was damals vor mehr als 60 Jahren passiert ist? Ich glaube nicht, dass diese Kenntnisse noch die Fakten und Hintergründe, die wir in den verschiedenen Geschichtsstunden gelernt haben, das Ausmaß des Zweiten Weltkrieges wiedergeben können. Sicherlich kann man sich in seiner Phantasie vorstellen, was damals passiert ist, aber letztendlich bietet eine direkte Begegnung mit damaligen Häftlingen, ein Besuch in einem Konzentrationslager die Möglichkeit, verschiedene Aspekte wie Aussagen von Häftlingen und Aufsehern, die Bedingungen und Verhaltensmuster innerhalb des Konzentrationslagers miteinander zu einem gesamten Bild zu verbinden und zu verstehen.

Die erste „reale“ Erfahrung, die wir Studierenden in Ravensbrück erlebt haben, war, an dem Ort zu schlafen, wo die Aufseherinnen ihren Dienst verrichtet hatten und wo manche von ihnen die Häftlinge menschunwürdig behandelte. Dort zu schlafen, wo Menschen andere

Menschen erniedrigt haben und sich auf der „Seite der Bösen“ zu bewegen, erweckte in dem einem oder anderen der Studierenden den Wunsch, dieses Gelände zu verlassen oder sich aus Solidarität hinter die Mauer zu begeben, wo damals die Häftlingen inhaftiert waren. Allerdings haben sich die meisten von uns aber auch die Frage gestellt, wieso sich Frauen bereit erklärt haben, als Aufseherinnen in einem Konzentrationslager zu arbeiten. Waren diese Frauen von vorneherein böse? Angenommen, man ist verheiratet und hat selbst Kinder, für die man sorgen muss. Arbeit und Nahrung waren im Zweiten Weltkrieg eher Mangelware. Ist es dann nicht nachvollziehbar, dass man für das eigene Überleben Kompromisse eingeht und sich dazu bereit erklärt Aufgeben zu verrichten, die man unter normalen Umständen nicht getan hätte? Sollte man hier unterscheiden zwischen den Aufseherinnen, die Gefallen daran gefunden haben, andere Menschen zu erniedrigen, zu quälen und sogar zu töten und denjenigen, die versucht haben zu überleben. Natürlich könnten wir heute entschieden behaupten, dass ein simples NEIN genügt hätte, um nicht als Aufseherin arbeiten zu müssen. Jedoch glauben wir nicht, dass dies zu jener Zeit so einfach gewesen wäre. Misere, Not und jahrelang geführte Propaganda seitens der Anführer, führen zu manchen Handlungen, die man im alltäglichen Leben für unwahrscheinlich hält.
Hiermit möchte ich aber auf keinen Fall das Vorgehen der Aufseherinnen entschuldigen. Ich versuche lediglich einen Blick hinter die Fassade dieser Aufseherinnen zu werfen und die Bewegungsgründe zu verstehen. Dies ist sicherlich ein Grund, warum sich einen Teil der Ausstellung mit dem Thema der Aufseherinnen befasst.

Eine weitere „reale“ Begegnung war wohl die Konfrontation mit uns selbst auf dem Gelände des Konzentrationslagers. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem See, der halb zugefroren ist, der Himmel ist rot gefärbt, die Sonne geht unter und Sie sind einen Moment lang von der Schönheit dieses Anblicks überwältigt. Genau dieses Bild hat sich uns geboten, bis wir uns wieder bewusst wurden, dass sich direkt hinter uns das Krematorium befand, wie auch die Stelle, an der so viele Menschen vergast wurden und ihren Tot fanden. Die Asche dieser Menschen wurde teilweise in den See geschüttet. Aber wie geht man mit der Tatsache um, dass die Natur einerseits ein wunderschönes Spektakel ist und andererseits auch Zeitzeuge eines Verbrechens? Welche Gefühle dürfen wir eigentlich an diesem Ort zulassen?
Die verschiedensten Emotionen wie auch die unterschiedlichsten Eindrücke, sind in unserer Ausstellung allgegenwärtig. Die Besucher und Besucherinnen werden selbst Emotionen wie Liebe und Hass, Bewunderung und Unverständnis, Schönheit und Elend beim Betrachten der Ausstellung erfahren können.

Eine andere und reale Begegnung bleibt wohl die Konfrontation mit den Gesichtern und Geschichten der Inhaftierten selbst. Bis dato wussten wir, dass ungefähr 6 Millionen Menschen den Tod in den Konzentrationslager gefunden haben. Diese Zahl, „6 Millionen“ ist eine unglaubliche große Zahl, aber sie bleibt schlussendlich nur eine Zahl. Eine Zahl, die uns zwar zu verstehen gibt, dass sich viele Menschen hinter dieser Zahl verbergen, aber eine Zahl die unfähig ist, uns zu erzählen, wer sich hinter dieser Zahl verbirgt und welches Schicksal diese Menschen erfahren haben. Durch Tausende von Fotos und Interviews, Gedichte und Reime und im Konzentrationslager selbst entworfene Gegenstände verwandelte sich diese eine Zahl von 6 Millionen in 6 Millionen Gesichter und Geschichten, die uns beeindruckt und auch erschüttert hat.
Dieser Zahl eine Identität zu geben, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ausstellung und wird den Besuchern zu verstehen geben, dass Bilder mehr aussagen als Worte oder Zahlen.

Diese Ausstellung soll einen realen Einblick in die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges gewähren, wie auch die Nachricht vermitteln, dass nicht alle Deutschen schlecht und alle Häftlinge gut waren. Vielmehr gibt es bei beiden Gruppen unterschiedliche Gründe und Hintergründe, die sie dazu gebracht haben, so zu handeln, wie sie es getan haben.
Während dieser Studienreise haben wir uns immer wieder die gleiche Frage gestellt: „Wie hätten wir damals unter diesen Bedingungen gehandelt? Hätten wir aus Selbstschutz heraus, Taten begangen, die menschenunwürdig sind wie Verrat, Folter oder gar Mord. Oder hätten wir uns für unsere Mitmenschen eingesetzt, ihnen Schutz, Nahrung und Hilfe gewährt und somit nicht nur die Gefährdung unseres eigenen, sondern auch des Lebens unserer Familie bewusst in Kauf genommen?
Wir teilen die Ansicht, dass wir diese Frage nicht beantworten können, da wir noch nie einer solchen Situation ausgesetzt waren. Trotz dieser realen Begegnungen, wie wir sie nannten, sind und bleiben sie schlussendlich nur Erfahrungen aus zweiter Hand. Entscheidend aber ist, dass wir aus der Geschichte des Zweiten Weltkrieges lernen und aktiv vorbeugen, damit sich dieser Teil der Geschichte nicht wiederholt.
Wachsamkeit und Toleranz führen uns zu einer gemeinsamen Zukunft und zu einem gemeinsamen Zusammenleben.