Sie holen auf, die Ladies im Hip-Hop/Rap. Diese Musikrichtung, vor Jahren noch als reine Männerbastion verschrien, in der die Jungs ihre zum Teil sexistischen und rassistischen Sprüche loslassen konnten, entwickelt sich zu einem Genre in dem Frauen Fuß fassen und selbstbewusst ihren Weg gehen.
Gehören die Zeiten, in denen sich leichtbekleidete Frauen - aus welchen Gründen auch immer - lasziv im Hintergrund zu frauenfeindlichen Parolen bewegten nun der Vergangenheit an?
Immer mehr von ihnen stehen auf der Bühne an vorderster Front und beziehen mit eigener Musik und eigenen Texten Stellung zu den Themen, die ihnen wichtig sind.
Die USA sind das Entstehungsland des Rap. Hier formierten sich ab Mitte der 80er Jahre Gruppen wie Salt'n'Pepa, Queen Latifah oder Neneh Cherry, die Woman Power mit harten Beats zelebrierten.
Heute gibt es (auch in Europa) Festivals mit ausschließlich weiblichem Rap, Frauen lernen die Kunst des Rappens in Workshops, es gibt gibt Internetportale zu female Hip-Hop oder sogar eigene Magazine (siehe unten). Und 2008 wurde zum internationalen "Year of the Hip Hop Women"ausgerufen...
Wir möchten an dieser Stelle einige Musikerinnen vorstellen, die in den letzten Jahren in dem Genre Hip-Hop / Rap interessante Platten veröffentlicht haben und - was beachtlich ist - sich häufig auch einen Namen als Produzentinnen gemacht und ihr eigenes Label gegründet haben.
Sie ist eine der ersten weiblichen Superstars des Hip-Hop und gleichzeitig Wegbereiterin und Identifikationsfigur für viele Rapperinnen.
Als Produzentin, Rapperin, Sängerin und Labelchefin hat sie sich im Musikbusiness an der Spitze etabliert. Viele ihrer Songs werden zu Hits, ihre Alben werden mit Platin ausgezeichnet und ihre Videos setzen Standards. Missy Elliott ist damit die erste Frau, die in dem Genre kommerziell sehr erfolgreich wurde.
Respect M.E. ist ein Best-of - Album - damit also bestens geeignet, sich der Musik von Missy Elliott zu nähern.
Lady SovereignMaßgeblich beeinflusst von Missy Elliot ist Lady Sovereign, eine englische Rapperin, die sehr lange um Anerkennung kämpfen musste. Denn während ihre männlichen Kollegen sich vernetzten und durch zum Teil eigene Radioshows bekannt wurden, saß Louise Amanda Harman zu Hause und nutzte Internettauschbörsen um auf sich aufmerksam zu machen. „Ich wurde nicht mal in die Shows der anderen eingeladen. Ich fühlte mich immer als die Außenstehende" berichtet Sov, die lange Zeit in der männlich dominierten Piratenradio-Szene unterging, in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung.
In dem Lied „Love Me Or Hate Me" erzählt sie, wie sie im Hip-Hop ihren eigenen Weg gehen möchte indem sie sich dem sexy Frauenbild verweigert.
Heute ist Lady Sovereign eine der Größten und hat sich sogar in den USA einen Namen gemacht, was für englische RapperInnen nicht einfach ist.
Die Rapperin und Spoken Word-Akrobatin Telmary Díaz stammt aus Kuba und ist dort eine der ganz Großen der Szene! Eigentlich wollte Diaz, die englische Literatur studierte, Schriftstellerin oder Journalistin werden. Doch ihre Texte fanden kaum Beachtung und so beschloss sie, ihre Poesie in Hip-Hop-Reime zu verwandeln. Die meisten Texte sind auf spanisch.
Musikalisch vermischt sie in ihren Songs Hip-Hop-Beats mit den verschiedensten musikalischen Klängen - oft in Anlehnung an bekannte (kubanische) Melodien.
Sehr zu empfehlen!
Das Projekt Sisters entstand aus der Initiative Brothers Keepers, einem Zusammenschluss von afrodeutschen Musikern, die sich gegen Fremdenhass in Deutschland engagieren.
Die Sisters ihrerseits setzen sich nicht nur gegen rassistische, sondern auch gegen sexistische Diskrimierung ein, leisten Aufklärungsarbeit an Schulen und bieten Hop-Hop-Workshops an.
Das Album „Gender Riots" ist ein Sampler mit verschiedenen Musikstilen wie Hip-Hop, Reggae, Funk oder Pop. Die Songs sind sehr unterschiedlich, genauso wie auch die Qualität der Stücke.
Nina Sonnenberg alias Fiva, ist Rapperin, Spoken-Word-Poetin, Radio-Moderatorin und Labelbetreiberin. Sie studierte Soziologie, leitet Literaturworkshops, und hat vor kurzem ihr drittes Album „Rotwild" veröffentlicht. In ihren pointierten Texten singt sie von der Manipulation durch Sprache, kritisiert die Raffgier ihrer Mitmenschen, und warnt davor, im Mainstream mitzuschwimmen und anderen zu sehr nachzueifern. Oder sie erzählt die rührende Geschichte der Underdogs Hackbrett-Schorsch, Melody-Mandy und Piano-Joe, die abends gemeinsam als Amateurmusiker auf der Bühne stehen und von dem großen Durchbruch träumen.
Übrigens: Auf br3 moderiert Fiva alle zwei Wochen die Sendung „Fiva's Reim auf die Welt", oft mit interessanten Gästen zum Thema Hip-Hop Kultur. Im Podcast zu hören unter:
http://www.br-online.de/
Anja Käckenmeister nennt sich Pyranja, weil "sie auch gerne mal zubeißt". Auch sie hat vor kurzem ihre dritte CD „Laut & Leise" veröffentlicht und ihr eigenes Label, Pyranja Records, gegründet. Im direkten Vergleich mit Fiva sind Texte und Musik nicht genauso ausgefeilt, es macht aber trotzdem Spaß reinzuhören.
Soweit ein kurzer Überblick. Eine Vertreterin des Genres fehlt in den Regalen des Cid: die sehr kontrovers diskutierte deutsche Skandal-Rapperin Lady Bitch Ray. In ihren tabuverletzenden - für viele pornografischen - Texten geht es der Rapperin laut eigener Aussage um türkisch-weibliche Emanzipation. Für die meisten Kritiker steckt allerdings nur billige Provokation und eine geschickte Vermarktungsstrategie dahinter, die nur darauf zielt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und schnelles Geld zu machen. Wir waren lange Zeit unschlüssig darüber, ob ein Tonträger von Lady Bitch Ray nicht doch ein Zeitdokument ist, das wir aus archivarischen Überlegungen anschaffen müssten, haben uns aber bislang dagegen entschieden. Was meinen Sie?
Ebenfalls im Cid auszueihen: Diam's (bester französischer Rap - wurde schon im Cid-Info vorgestellt), Queen Latifah oder natürlich auch Yo! Majesty!
Female Hip-Hop zum DurchblätternDass female Hip -Hop sehr vielfältig ist, zeigt die Zeitschrift Anattitude Magazine. Darin präsentiert die Djane und HipHop Expertin Jeannette Petri zeitgenössische weibliche HipHop Kultur in den klassischen Elementen Deejaying, Graffiti, Rap, Breakdance und female HipHop Geschichte und verknüpft sie mit Artikeln zu Fashion, Fotografie und Film.
Die Zeitschrift mit Artikel auf französisch und englisch liegt zum Stöbern für Sie im Cid bereit!