IMPRESSUM
 
 

GLEICHSTELLUNG DER GESCHLECHTER – EIN QUALITäTSFAKTOR FüR MEDIEN!

LESERBRIEF VOM 7.1.2010

Die langjährige Chefredakteurin der Revue, Claude Wolf, hat zum Jahresende demissioniert. Laurent Graff hat inzwischen die Nachfolge angetreten, Romain Meyer bleibt stellvertretender Chefredakteur der Revue.
Der Personalwechsel bei der Revue ist dem Cid-femmes Anlass, einen kritischen Blick auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der (Luxemburger) Medienwelt zu werfen.

Chefredakteure/-redakteurinnen haben einen großen Einfluss auf Medieninhalte und Arbeitsweisen: welche Themen abgedeckt werden, welche Priorität einzelne Themen haben, wie Themen kommentiert werden...

In Luxemburg sind nach Angaben des Conseil de presse ca. 29 % aller anerkannten Journalisten weiblich, wobei der Frauenanteil stark nach Mediensektor und nach Sachbereich variiert. In der medieninternen Hierarchie hingegen sind Frauen in den Entscheidungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Zurzeit werden nur vier von 18 Chefredaktionen von Frauen geführt – nach Frau Wolfs Abgang fällt ihr Anteil auf nur noch 17%.

Buch feministische Medien Ähnlich wie in der Debatte um die politische Partizipation von Frauen gilt auch in der Wirtschafts- und Medienwelt: eine stärkere Besetzung von Entscheidungspositionen durch qualifizierte Frauen ist ein wichtiger Aspekt, um die Entwicklung einer geschlechtergerechten Gesellschaft voranzutreiben. Dabei gilt, dass Frauen nicht automatisch die besseren Entscheidungsträger sind. Jedoch vermelden Frauen oftmals einen erschwerten Zugang zu den Macht- und Entscheidungspositionen, so dass ihre Kompetenzen und Visionen weniger zum Tragen kommen.

Die Gleichstellung der Geschlechter in der Medienwelt ist natürlich nicht nur eine Personalfrage sondern insbesondere eine inhaltliche Herausforderung. Medien produzieren und reproduzieren stereotype Bilder und diskriminierende Darstellungen von Frauen - und Männern. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Rollenklischees findet unter Medienschaffenden jedoch oft nicht statt. Der deutsche Journalistinnenbund (JB) fordert deshalb zu Recht, dass „gendersensibler Journalismus ein fester Bestandteil der journalistischen Aus- und Weiterbildung werden muss. Es gilt, die Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern angemessen darzustellen, beide Geschlechter entsprechend ihrem Anteil zu Wort kommen zu lassen, verächtliche Stereotype zu vermeiden.“
Für anspruchsvolle Medien müsste dies alles eine Selbstverständlichkeit sein, da dies einerseits die Qualität der journalistischen Produkte erhöhe und andererseits auf die Bedürfnisse des männlichen und weiblichen Publikums gleichermaßen eingehe. Im Endeffekt erhöhten sich dadurch auch die Zahl der Leserschaft bzw. die Einschaltquoten.

Gleichstellung der Geschlechter muss ein Qualitätsfaktor für die Medien sein. Mediennutzerinnen und –nutzer haben darauf Anspruch, Medienschaffende sollten dies als Chance begreifen. Dem neuen Chefredakteur der Revue wünschen wir auf alle Fälle viel Erfolg und alles Gute.