Die langjährige Chefredakteurin der Revue, Claude Wolf, hat zum
Jahresende demissioniert. Laurent Graff hat inzwischen die Nachfolge
angetreten, Romain Meyer bleibt stellvertretender Chefredakteur der
Revue.
Der Personalwechsel bei der Revue ist dem Cid-femmes Anlass, einen
kritischen Blick auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der
(Luxemburger) Medienwelt zu werfen.
Chefredakteure/-redakteurinnen haben einen großen Einfluss auf
Medieninhalte und Arbeitsweisen: welche Themen abgedeckt werden, welche
Priorität einzelne Themen haben, wie Themen kommentiert werden...
In
Luxemburg sind nach Angaben des Conseil de presse ca. 29 % aller
anerkannten Journalisten weiblich, wobei der Frauenanteil stark nach
Mediensektor und nach Sachbereich variiert. In der medieninternen
Hierarchie hingegen sind Frauen in den Entscheidungspositionen nach wie
vor unterrepräsentiert. Zurzeit werden nur vier von 18 Chefredaktionen
von Frauen geführt – nach Frau Wolfs Abgang fällt ihr Anteil auf nur
noch 17%.
Ähnlich wie in der Debatte um die politische Partizipation von Frauen
gilt auch in der Wirtschafts- und Medienwelt: eine stärkere Besetzung
von Entscheidungspositionen durch qualifizierte Frauen ist ein
wichtiger Aspekt, um die Entwicklung einer geschlechtergerechten
Gesellschaft voranzutreiben. Dabei gilt, dass Frauen nicht automatisch
die besseren Entscheidungsträger sind. Jedoch vermelden Frauen oftmals
einen erschwerten Zugang zu den Macht- und Entscheidungspositionen, so
dass ihre Kompetenzen und Visionen weniger zum Tragen kommen.
Die Gleichstellung der Geschlechter in der Medienwelt ist natürlich
nicht nur eine Personalfrage sondern insbesondere eine inhaltliche
Herausforderung. Medien produzieren und reproduzieren stereotype Bilder
und diskriminierende Darstellungen von Frauen - und Männern. Eine
bewusste Auseinandersetzung mit Rollenklischees findet unter
Medienschaffenden jedoch oft nicht statt. Der deutsche
Journalistinnenbund (JB) fordert deshalb zu Recht, dass
„gendersensibler Journalismus ein fester Bestandteil der
journalistischen Aus- und Weiterbildung werden muss. Es gilt, die
Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern angemessen darzustellen,
beide Geschlechter entsprechend ihrem Anteil zu Wort kommen zu lassen,
verächtliche Stereotype zu vermeiden.“
Für anspruchsvolle Medien müsste dies alles eine Selbstverständlichkeit
sein, da dies einerseits die Qualität der journalistischen Produkte
erhöhe und andererseits auf die Bedürfnisse des männlichen und
weiblichen Publikums gleichermaßen eingehe. Im Endeffekt erhöhten sich
dadurch auch die Zahl der Leserschaft bzw. die Einschaltquoten.
Gleichstellung der Geschlechter muss ein Qualitätsfaktor für die Medien
sein. Mediennutzerinnen und –nutzer haben darauf Anspruch,
Medienschaffende sollten dies als Chance begreifen. Dem neuen
Chefredakteur der Revue wünschen wir auf alle Fälle viel Erfolg und
alles Gute.