UND HEUTE?
Frauen in der Politik
Die aktuellen Zahlen belegen: die Hälfte der Bevölkerung ist noch
lang nicht im Verhältnis 50/50 auf den Kandidatenlisten, im Parlament
und in der Regierung vertreten. Landesweit stellten Frauen nur 34,1%
aller Kandidatinnen bei den Wahlen 2009, nur 20% Frauen wurden direkt
ins Parlament gewählt und nur 27% der Regierung ist weiblich.
Die kritische Masse macht’s
Also doch eher Ursache sich zu ärgern als zu feiern? Vielmehr sollte
dieser Jahrestag eine Gelegenheit sein, um auf Versäumnisse und
Schwierigkeiten hinzuweisen! Die Frauenorganisationen haben bereits
seit vielen Jahren einen Forderungenkatalog aufgestellt, um einer
paritätischen Demokratie näher zu kommen.
Als da wären:
1. eine Quotenregelung, die im Übergang dazu beitragen kann, den
Kandidatinnenanteil substantiell zu erhöhen, Frauen in die politische
Verantwortung zu nehmen und eine kritische Masse an Politikerinnen
aufzubauen. Aktuell haben nur Déi Gréng paritätisch besetzte Listen,
die CSV eine 33%ige, die LSAP eine 25%ige Frauenquote und Déi Lénk die
Absicht, möglichst paritätische Listen zu erreichen.
2. eine konsequente Förderung von Frauen in politischen Gremien, von
der Gemeindekommission bis zum Parlament. Die paritätische Besetzung
der Gemeindekommissionen wäre ein erster Schritt in diese Richtung.
3. eine Quotierung von Führungspositionen, z. B. in Vorstands- und
Aufsichtsräten, könnte ebenfalls die Chancen von Frauen erhöhen, im
demokratischen Prozess Gewicht zu erhalten.
Frauen fordern – Männer sind gefordert
Der 26.10.2009 muss aber auch alle Frauen motivieren, die
Herausforderung und Chancen, die sich aus dem Wahlrecht ergeben,
anzunehmen. Das WahlRECHT ist eben auch Verpflichtung, das Recht zu
nutzen. Allerdings ist es nicht akzeptabel, dass Frauen, die heute im
Durchschnitt die besseren Bildungsabschlüsse haben und die neben der
familiären Verantwortung immer mehr Verantwortung im öffentlichen und
wirtschaftlichen Leben übernehmen, für politische Mandate als
unqualifiziert hingestellt werden oder dass an ihren Kompetenzen
gezweifelt wird. Und es ist nicht hinnehmbar, dass durch die
Doppelbelastung von Berufs- und Familienpflichten Frauen die Ausübung
einer politischen Arbeit erschwert oder verwehrt wird. Hier sind die
Männer gefordert!
Frauen sind nicht die schlechteren Politiker

Es bleibt das Totschlägerargument, dass Frauen selbst ja mehr Frauen
wählen und dadurch ihre Repräsentanz erhöhen könnten. Die Geschichte
hat gezeigt, dass selbst reine Frauenlisten, wie sie beispielsweise von
der Action féminine in den 30er Jahren aufgestellt wurden, keinen
Erfolg hatten. Frauen sind weder die besseren Menschen als Männer, noch
die besseren Politiker. Allerdings sind sie auch nicht die
schlechteren, weil sie Frauen sind, wie die BILD-Zeitung das schon
einmal nahe legen wollte. Wahlanalysen zeigen, dass Frauen aber
durchaus Frauen wählen, die einen veränderten Regierungsstil
versprechen.
Es liegt an den Parteien, den Wählerinnen und Wählern politisch
interessierte, kompetente Frauen zu präsentieren. Und es ist deshalb
auch Aufgabe der Parteien, sich verfestigten internen
Macht-/Mandats-/Listenansprüche anzunehmen. Es ist unausweichlich, dass
dabei der Punkt kommt, an dem Männer ihr Machtübergewicht zurückstellen
müssen.
Und wo wird in Luxemburg gefeiert?
Schons 90 Joer hier...
Mit der Einweihung einer Gedenkplatte vor dem Parlament wird der 90.
Jahrestags des Frauenwahlrechts gefeiert. Cid-femmes und Conseil
national des femmes du Luxembourg (CNFL) laden alle Frauen und Männer
dazu herzlich ein am Dienstag, 27.10.2009. Beginn: 14h30. Treffpunkt: Krautmarkt/Haupteingang des Parlaments.
Kommen Sie vorbei, feiern Sie mit und unterstützen Sie durch Ihre
Präsenz die Forderungen nach Parität in der Politik. Mobilisieren Sie
Freundinnen und Freunde, damit wir zahlreich sind.
Übrigens, wir haben nachgerechnet: wenn es im Tempo der letzten 30
Jahre weitergeht, wird der Frauenanteil im Parlament erst in 150 Jahren
bei 50% liegen... Es gilt also, Gas geben und durchstarten!