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IMPRESSUM
 
 

INTERVIEW MURIEL MORITZ

Im Farbenrausch einer Glücksfee…

Die Illustratorin Muriel Moritz im Gespräch


Die CD Die Glücksfee, ein musikalisches Märchen der in Luxemburg lebenden Komponistin Elisabeth Naske, ist seit Frühjahr 2009 im Handel und erteilt seitdem wertvolle Lektionen in Sachen Glücklichsein.

Die luxemburgische Kinderbuchillustratorin Muriel Moritz hat bei dieser Produktion mitgearbeitet und das 12-seitige Booklet liebevoll in Form eines Bilderbuches im Mini-Format gestaltet. Das Projekt führte zu einer ersten und fruchtbaren Begegnung mit Elisabeth Naske. In langen, von kreativen Ideen nur so sprühenden Gesprächen mit der Komponistin entwickelte Muriel Moritz zuerst ihre zu Musik und Text passenden optischen Visionen der Glücksfeen.
In ihrem Atelier schärfte sie die Konturen, entwarf in einem Storyboard Räume, Umgebungen und Accessoires, wählte und mischte Farben und Muster und hauchte schlussendlich ihren dicken, Schokolade und alles Schöne und Sinnliche liebenden Glücksfeen Leben ein.
Hiermit möchten wir die Illustratorin Muriel Moritz näher vorstellen und einen Einblick in ihre Werkstatt geben.

Muriel Moritz Muriel, Du hast Dich nun monatelang mit Glücksfeen beschäftigt. Wie würdest Du spontan die charakteristischen Merkmale und wichtigsten Talente Deiner Glücksfeen beschreiben?
Die Glücksfeen haben auch bei mir ihre Glückspuren hinterlassen: Was ich über sie weiß? Sie bringen die Menschen dazu, das was man tut, zu genießen, alles was man hat, zu respektieren und zufrieden damit zu sein. Sie haben ein gutes Geschick, einem zu zeigen, wie das Leben ohne Glück wäre, aber noch mehr öffnen sie das Tor zum Glück. Sie kommen und gehen ganz plötzlich, aber man erinnert sich an sie mit einem großen Glücksgefühl. Danach ist alles farbiger, schmeckt intensiver, man schläft besser und lässt sich nicht mehr von Belanglosem herunterziehen. Man könnte auch sagen, das Glück kommt aus dem Bauch: Deshalb sind die Glücksfeen so dick, denn sie lieben Süßes. Die Allerdickste ist Chefin der Glücksfeen! Sie haben eine verrückte Tasche in die alles, was sie brauchen und nicht brauchen, hineinpasst. Alle haben ein spezielles Instrument, ein Hörrohr, damit können sie meilenweit schlechte Schwingungen und negative Gefühle „erhören". Dann machen sie sich auf den Weg und retten die Miesepeter und Grummler dieser Welt...

Blättert man dein Bilderbüchlein durch, merkt man unweigerlich, wie Text und Musik der Glücksfee Dich inspiriert und Deine Fantasie beflügelt haben. Was fandest Du bei diesem Projekt besonders spannend?

gluecksfee Ein wichtiger Punkt war für mich, dass ich mich von der Bilderbuchversion der Glücksfee von der Illustratorin Sybille Hein, die ich sehr bewundere, unterscheide. Spannend war auf jeden Fall die Idee, dass die Kinder, die die CD hören, durch meine Bilder vielleicht auch eine Art Glück verspüren, so wie ich, wenn ich sie male. Auch die „Erfindung“ von Pistazia war sehr spannend: Wie dick ist sie denn, welche Farben, welches Kleid mit welchen Mustern trägt sie, welche Frisur, welches Gesicht hat sie? Es gab da mehrere Ideen…


gluecksfee1 Wie verlief die Zusammenarbeit mit Elisabeth Naske?
Genau, bei der Erfindung der Hauptfigur, der Pistazia, war es so lustig als Elisabeth zu mir sagte : „Die muss noch viiiiel dicker sein!“ und ich ein bisschen ungläubig antwortete: „Wirklich?“ “Jaja“, meinte sie mit einem großen Lachen, als wäre sie selbst eine Glücksfee, die sich hinter ihrer schmalen Gestalt versteckt.“ Je dicker desto besser! Richtig dick!“ Das hat mich ermutigt, die Pistazia und ihre Welt so zu malen, wie sie jetzt ist. Wenn Elisabeth nicht so lustig wäre, hätte das auch bei mir einen ganz anderen Ton ergeben und die Bildersprache wäre wahrscheinlich zaghafter…


gluecksfee2 Die Vorlage einer Illustratorin ist in der Regel „nur“ der Text. Diesmal kam aber die Musik als zweite Vorgabe / Inspirationsquelle dazu. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Du eine musikalische Kindergeschichte illustrierst und mit KomponistInnen zusammenarbeitest. Ich denke da an Deine wundervollen Bilder zu D’Anne am Lidderbesch. Aber es verlangt doch ein anderes Arbeiten, Illustrationen zu Musik zu entwerfen. Wie ist das für Dich?
Hier gab es die Musik zum Wort und die Fee als Hauptperson mit ihrem eigenen „Pling“ton. Da wollte ich etwas finden, was die Fee Pistazia charakterisiert und auch die Musik, das Glück. Für mich ist Pistazias Rock nicht nur aus Punkten, sondern aus Musiktönen gemacht. Wenn sie sich doll bewegt, dann hört man es.
Die Punkte sind kein statisches Muster im Rock, sondern immer anders... Das kommt durch die Verwendung von selbstgeschnitzten kleinen Stempeln.

Die Muster kommen immer wieder, wie zum Beispiel auch in den Bäumen, Gegenständen, vielleicht so wie eine Melodie immer wiederkommt. Das Stempeln selbst ist auch ein rhythmischer Bewegungsablauf... irgendwie hat es gepasst. Da ich für die Bildergestaltung „nur“ 12 Seiten zur Verfügung hatte, war dies meine Lösung zur Strukturierung.
Bei D’Anne am Lidderbësch gab es eine andere Herausforderung: Ich musste die ganzen Notenseiten in das Storyboard einbringen, was sich für die eigentliche Geschichte als schwierig erwies. Der Inhalt eines jeden Liedes war wieder eine eigene Geschichte, und dieses alles unter einen Hut zu bringen, war kompliziert für mich und blockierte meine Bildideen am Anfang sehr.


Siehst Du immer auch Bilder, wenn Du Musik hörst?
Ja schon, aber nicht immer welche zum Selbermalen. Manche sind zu realistisch und ich möchte nicht zu real malen, weil mich das auch bremsen kann in der Phantasie.
Kannst Du überhaupt Geschichten, Romane, Gedichte usw. hören oder lesen, ohne dass Du automatisch auch Bilder dazu im Kopf entwirfst?
Nein, eigentlich geht das Lesen von tollen oder weniger tollen Texten nie ganz ohne dass ich Bilder dazu erfinde. Hauptsächlich sind es aber die Figuren, die mich inspirieren, und dann folgt die Welt, die diese umgibt, ganz von selbst. Ich mache dann immer kleine Zeichnungen von Landschaften, Häusern und Straßen, die ich später einmal in Texten wiederverwenden kann. So wie eine kleine Vorratskammer von Ideen, die nur darauf warten, herausgelassen zu werden, wenn der passende schöne Text kommt!


Zu Deinem Werdegang: Hat das Malen Dich seit Deiner Kindheit ständig oder doch auch mit Unterbrechungen begleitet?
gluecksfee3 Ja, ich hatte von Klein auf sehr große Lust, die Dinge bildlich fest zu halten. Und als wir im Kindergarten unser Haus malen mussten, malte ich auch den unfertigen Hochsitz neben dem Haus, der gehörte dazu. Bei einem Malwettbewerb malte ich einen Tümpel mit allen kleinen Tierchen, die man nur finden kann. Alles Kleine fand immer sehr große Beachtung in meinen Bildern, heute ist das auch noch so.
Wann hast Du Dich innerhalb der Malerei entschlossen, Dich in Richtung Kinderbuchillustration zu spezialisieren?
Natürlich besuchte ich die E-Sektion im Gymnasium. Bis zum Abitur hatte ich nicht wirklich “die Idee“ für mich gefunden. Auf der Foire des Etudiants fand ich meine spätere Schule, weil ich dort so tolle Schülermappen sah, dass ich das ganz einfach auch lernen wollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie eine Geschichte oder ein Buch illustriert, nicht einmal für mich selbst, und leider hatte mich auch niemand sonst auf die Idee gebracht. Das Studium war ein Glücksfall und genau das Richtige für mich! Ob man mit Illustrieren sein Geld verdienen könnte, fragte ich mich nicht. Das war nicht sehr realistisch, aber das bin ich auch nicht.


Was waren Deine bisher wichtigsten Buch-Projekte?
Léiwendraachemailchen, weil es mir die Tür zu anderen Projekten geöffnet hat, und weil Jemp Schuster mit Jang Linster mir eine tolle Chance gegeben haben. Quagga war eine sehr schöne Zusammenarbeit mit Chantal Keller und der eigentliche Beginn meiner illustrativen Bücherlaufbahn. Die beiden Schulbücher Lies a fléi natürlich auch, ein Sammelwerk von alten und neuen Luxemburger Texten, durch die jetzt fast jedes Schulkind meine Bilder kennt.

Muriel, ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch.

Ein Geheimtipp für Kinder, die ihre eigenen Glücksfeen entwerfen wollen: Muriel Moritz wird beim Bibliotheksfest vom Cid-femmes auch 2009 – und zwar am 26. September - ein Kindermalatelier anbieten, natürlich zum Thema Die Glücksfee.


Danielle Roster