ILRES-UMFRAGE
Das Cid-femmes stellte am 21.Oktober die Ergebnisse
einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung zu frauenpolitischen
Themen vor. Die Befragten
- Frauen und Männer - sehen insbesondere politischen Handlungsbedarf
in folgenden Bereichen:
- Arbeitsmarkt, insb. Lohngerechtigkeit (94%)
- Verankerung des Gleichheitsprinzips in der Verfassung (89%)
- Individualisierung der sozialen Rechte (88%).
Verbesserungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt
gefordert
36 Prozent der Befragten sind der Befragten sind der Meinung,
dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt/am Arbeitsplatz benachteiligt werden.
Bei Frauen, insbesondere jungen Frauen, liegt dieser Wert deutlich höher
als bei Männern. Neben der Lohnungerechtigkeit werden als konkrete
Benachteiligungen Mobbing, unter Druck setzen, eingeschränkter
Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu bestimmten Berufen sowie begrenzte Karrieremöglichkeiten
besonders für Frauen mit Kindern genannt.
Mentalitätswechsel
Die Benachteiligung von Frauen wird von 15% der Bevölkerung mit
einem Mentalitätsproblem oder einem fehlenden Mentalitätswandel
in Verbindung gebracht. Die Befragten sprechen sich indirekt für
einen Mentalitätswandel aus und bedauern die Langsamkeit, mit der
sich die Mentalitäten in Luxemburg ändern.
Politische Parität
78% aller Befragten sprechen sich für die Parität der Geschlechter
in der Politik aus (Frauen 85%, Männer 71%). Die Frauen müssen
selbst aktiv werden und ihren Platz in der Politik fordern und einnehmen
(16%). Aus der Sicht der Frauen ist neben dem Mentalitätswandel
(17%) die verbesserte Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Politik (11%)
Voraussetzung, um der Parität in der Politik näher zu kommen.
Männer hingegen räumen diesen beiden Punkten einen auffallend
geringen Stellenwert ein (10% resp. 3%). Ebenfalls deutliche geschlechtsspezifische
Unterschiede treten bei der Frage nach Quotierungen auf: 10% der Männer
sprechen sich deutlich gegen Quoten aus, andererseits aber sehen 8%
der Männer in institutionellen Veränderungen, wie z.B. der
Wahlsystemreform einen Weg zu mehr politischer Parität zwischen
den Geschlechtern.
Forderungen des Cid-femmes
Folgende Forderungen lassen sich aus der vorliegenden Befragung ableiten:
- Die konkreten Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt/am
Arbeitsplatz müssen gezielt bekämpft werden. Neben gesetzlichen
Maßnahmen müssen Sensibilisierungskampagnen für und
mit ArbeitgeberInnen, Gewerkschaften und ArbeitnehmerInnen fortgeführt
und Good-Practice-Beispiele in die luxemburgische Praxis umgesetzt werden.
- Die Regierung und die politischen Fraktionen werden aufgefordert,
das Gleichstellungsprinzip von Mann und Frau in der Verfassung zu verankern
sowie die Individualisierung der sozialen Rechte voranzutreiben.
- Ein Appell richtet sich an alle Frauen, ihre politische Verantwortung
wahrzunehmen und im Hinblick auf die Parlaments- und Europawahlen 2004
und die Kommunal- wahlen 2005 politisch aktiv zu werden. Die Parteien
sind aufgefordert, die notwendigen institutionellen Voraussetzungen
zu schaffen, um politische Parität auch realisieren zu können
(Wahllistenplätze, Quoten etc.).
- Ebenso müssen die politischen Parteien in ihren Wahlprogrammen
die Belange von Frauen und den Wunsch der gesamten Gesellschaft nach
mehr Gleichstellung zwischen Männern und Frauen berücksichtigen.
- Der Mentalitätswandel in der Gesellschaft muss vorangetrieben
werden. Dazu müssen von staatlicher Seite die notwendigen Mittel
zur Verfügung gestellt werden
- dies auch in Zeiten knapper Kassen - und alle gesellschaftlichen
Kräfte sowie Männer und Frauen miteinbezogen werden.
Mit der Unterzeichnung und Ratifizierung der CEDAW-Konvention verpflichtet
Luxemburg sich dazu die Gleichstellung der Geschlechter im Alltag zu
realisieren. Die politisch Verantwortlichen (Regierung, Parlament, politische
Parteien) müssen sich dieser Herausforderung angesichts der anstehenden
Wahlen stellen.
Die komplette Umfrage (pdf, 1,2 Mo): ilres-doc.pdf
Die Tabellen mit dem genauen Wortlaut der Fragen und die Antworten der Studie: CIDF128.pdf