Facebook - CidFemmes - you can join us on facebook now...
 


IMPRESSUM

GIRLS' DAY - BOYS' DAY EINSAM AUF WEITER FLUR (2008)

Berufsorientierung gegendert

Girls’ Day-Boys’ Day 2008

(cb) Am 22. April findet der diesjährige Girls’ Day – Boys’ Day statt – der Girls’ Day zum 7. Mal, der Boys’ Day zum 4. Mal, dabei zum 2. Mal koordiniert vom Cid-femmes, in enger Zusammenarbeit mit dem Escher Gleichstellungsamt.
Unter dem Motto « Deng Chance fir atypesch Beruffer kennen ze léieren » können Schülerinnen und Schülerinnen ab der 7e einen Tag in der Arbeitswelt verbringen und sich ein weiteres Berufsspektrum erschließen. Im letzten Jahr nahmen 553 Mädchen und 192 Jungen teil. Eine Befragung durch die Universität Luxemburg, die aufgrund der niedrigen TeilnehmerInnenzahl nicht repräsentativ ist, zeigte, dass die Jugendlichen stark motiviert sind, die Arbeitswelt kennen zu lernen und hoffen, einen aktiven und partizipativen Zugang zu einem Beruf zu bekommen. Sie fügen erklärend hinzu: « anders, als in der Schule ».
Mehrheitlich sehen die Jugendlichen in der Teilnahme an diesem Schnuppertag einen Nutzen für die berufliche Orientierung und Berufsfindung. Rund 75% der Jungen und 88% der Mädchen geben in der Befragung an, dass sie sich vorstellen können, einen atypischen Beruf zu ergreifen, und dass ihnen die Teilnahme am GD-BD geholfen hat, mehr über Berufe und die Arbeitswelt in Erfahrung zu bringen. Die eigene Einstellung zu geschlechtstypischen Berufen hat sich verändert. Die Studie, die nicht repräsentativ ist, bestätigt weitgehend die Tendenzen aus der Befragung von Girls’ Day-Teilnehmerinnen von 2007.

Baustelle Berufsorientierung

Der schulischen Berufsorientierung wird von den Schülerinnen und Schülern schlechte Noten ausgestellt. Auch wenn in den letzten Jahren diverse Berufsorientierungsaktivitäten hinzugekommen sind, bleibt der GD-BD die einzige gendersensible Aktion, die schulübergreifend allen Schülerinnen und Schülern angeboten wird. Davon sind andere Aktivitäten weit entfernt. Der GD-BD sieht sich selbst als ein Element innerhalb eines größeren Angebots an Berufsorientierung, die nicht nur auf Information, sondern auf die persönlichen Kompetenzen und Interessen der Jugendlichen zugeschnitten sein sollte.

In der letzten Zeit scheinen die berufliche Orientierung und Qualifizierung wieder mehr Aufmerksamkeit zu erhalten: die Politik will weniger Schulabbrüche, ein besseres Qualifikationsniveau und dadurch eine bessere Positionierung der einheimischen jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt erreichen. Die Pläne der Regierung zur Reform der beruflichen Ausbildung wurden deshalb von vielen mit großer Aufmerksam gelesen – und anschließend von den unterschiedlichen Interessensgruppierungen kritisiert. Was in der öffentlichen Diskussion des Gesetzesvorhabens kaum zur Sprache kam: im ersten Entwurf fehlte der Genderaspekt komplett – und dies, obwohl sich das Unterrichtsministerium selbst die Integration des Genderprinzips in alle Politikbereiche zum Ziel gesetzt hatte. Zu Recht wurde dies von den Frauenorganisationen, darunter auch das Cid-femmes, kritisiert. Nun ist in der überarbeiteten Reform der Genderaspekt in den Zielsetzungen (Artikel 2) verankert: Die Gleichheit zwischen Frauen und Männern in der Berufsausbildung soll vorangetrieben werden.
Folgende Begründung wird dazu angeführt :
Les objectifs ont été complétés par une disposition légale concernant la promotion de l’égalité des femmes et des hommes dans la formation professionnelle. Cet ajout répond à une exigence du plan d’action national d’égalité des femmes et des hommes de 2006.
(Gesetzesvorlage zur Reform der Berufsausbildung, Dokument 5622-8)
Doch leider fehlen weitere Präzisionen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Keine konkreten Maßnahmen oder Vorgaben. Einzig das Comité de la formation professionnelle wird in Artikel 4 u. a. mit der Mission betraut, die Ziele der Berufsausbildung und die Bedürfnisse der verschiedenen Wirtschaftbereiche besser in Einklang zu bringen und dabei die Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu berücksichtigen.

Zielvorgabe Gender

Fehlt es einfach an der nötigen Sensibilität für das Genderthema in den Kreisen, die an diesem Gesetzesentwurf mitstrickten bzw. ihre Verbesserungsvorschläge einreichten ? Oder hinkt das Unterrichtsministerium in dieser Sache nicht vielmehr dem eigenen Anspruch, wie zu Anfang der Legislaturperiode formuliert, hinterher?

Der GD-BD ist ein Projekt, das sich einen festen Platz geschaffen hat. Doch wie sieht es für die Zukunft aus? Dank der Förderung mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds konnte bzw. kann der GD-BD seit 2006 und noch bis 2008 vom Cid-femmes koordiniert werden. Die nächsten Monate müssen zeigen, wie es mit dieser inzwischen gut verankerten Aktion weiter gehen wird. Noch unlängst erhielt Luxemburg im Rahmen der Überprüfung des CEDAW-Berichts von der UN die Empfehlung, sich weiterhin zu bemühen, das Berufswahlspektrum von Mädchen zu erweitern.
Die Verantwortung für das Fortdauern des GD-BD liegt nicht allein beim Cid-femmes