GEBALLTES FRAUENWISSEN
Geballtes Frauenwissen in Bremen
(ke) Nachdem im letzten Jahr das Cid-femmes das jährlich im Herbst
stattfindende Treffen der deutschsprachigen Frauen/Lesbenarchive,
-bibliotheken und –dokumentationsstellen ausgerichtet hatte, war
diesmal das Bremer Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für
Frauen, belladonna, die Gastgeberin der Fachtagung.
Die teilnehmenden Fraueninformationseinrichtungen sind, so verschieden
ihre Ausrichtung ist – manche sind ausschließlich Archiv, andere
ausschließlich Bibliothek – vereint in dem Interesse Frauenwissen zu
erhalten und weiter zu leiten. Das schlägt sich auch im dem Namen des
vernetzenden Dachverbandes nieder: ida – informieren
dokumentieren archivieren.
Das Projekt „belladonna“, das seit 1986 existiert, ist interdisziplinär
angelegt. Die Mitarbeiterinnen verbinden kulturelle Veranstaltungen mit
Coaching für Existenzgründerinnen und Jungunternehmerinnen und mit
Tourismusangeboten für Frauen. Ein Frauenarchiv und
Dokumentationszentrum gehören selbstverständlich auch dazu.
Das Archivetreffen ist immer Anlass zur Entwicklung neuer Strategien:
Thema einer Expertinnen-Podiumsdiskussion war es, wie Einrichtungen
mit wenig Mitteln effektive Lobbyarbeit und Marketing betreiben können.
In Arbeitsgruppen ging es unter anderem darum, wie Frauenwissen
möglichst gezielt an die Interessierten weitergeleitet werden kann, und
welche Möglichkeiten und Grenzen es bei der Einbindung von
Ehrenamtlichen, neu Zeitspenderinnen genannt, gibt. Daneben standen
bibliothekarische Fragen zur Systematik. Mit besonderer Dringlichkeit
wurden Möglichkeiten diskutiert, digitale Medien und auch Magnetbänder
wie Videos und Kassetten, langfristig zu erhalten, denn längst nicht
alle Informationsträger sind so haltbar und leicht zu archivieren wie
Papier.
Wenn sich feministische Informationsvermittlerinnen aus fast dreißig
Einrichtungen treffen, ist das immer auch ein interkulturelles
Ereignis. Dieses Jahr waren Vertreterinnen aus Deutschland, Österreich,
Luxemburg und Italien angereist, Innsbruck und Bozen waren zum ersten
Mal vertreten. Eine hervorragende Möglichkeit sich über die jeweilige
Frauenszene und die unterschiedlichen Aktivitäten der lokalen
Frauenbewegung auszutauschen.
Am Ende der Tagung gab es für die Teilnehmerinnen die Gelegenheit, die
Ausstellung Paula Modersohn-Becker und die Kunst um 1900 zu besuchen:
Zum Anlass des 100. Todestages der Künstlerin zeigt die Bremer
Kunsthalle die Beziehungen zwischen der Malerei der Bremer Künstlerin
und der Avantgarde in Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
So schön es ist die großartigen Bilder der Malerin sowie ihrer
Zeitgenossen zu sehen, so befremdend ist es doch allerorten über die
Verkürzung des Ausstellungstitels: „Paula“ oder „Paula in Paris“ zu
stolpern. Man stelle sich nur vor, für eine Picasso oder Klee
Ausstellung würde mit „Pablo“ respektive „Paul“ geworben...
(Den Katalog und weitere Titel zu Paula Modersohn-Becker finden Sie selbstverständlich im Cid.)